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Allgemeines zur Weissen Wanne in der Schweiz

Allgemeines zur Weissen Wanne in der Schweiz

Seit Oktober 2009 definiert die Norm SIA 272 Anforderungen an „Abdichtungen und Entwässerungen von Bauten unter Terrain und im Untertagebau“. Zusammen mit der SIA 262 (Betonbau) bildet die SIA 272 die normative Grundlage für die Bauwerksabdichtung im wasserbelasteten Bereich. Durch die Norm werden vier Dichtigkeitsklassen von 1 (vollständig trocken) bis 4 (feucht bis nass) definiert. ZEMENTOL bietet mit der Weissen Wanne PLUS ein System für die Dichtigkeitsklasse 1 an. Bei diesem System wird neben der klassischen Weissen Wanne von ZEMENTOL die Frischbetonverbundfolie SikaProof A von Sika eingesetzt.

 

Der Kommission Norm SIA 272 ist es bei der Ausarbeitung der Norm gelungen, ein praxisnahes und pragmatisches Regelwerk zu schaffen. Dabei lässt die Norm dem Planer etliche Freiheiten, deren Ausschöpfung aber nicht immer leicht und aus Haftungsgründen auch nicht immer möglich ist. Grundsätzlich sind Abweichungen von der Norm zulässig, wenn diese durch Theorie oder Versuche begründet werden (siehe SIA 272, 0.4).

 

 

Auswirkung der normativen Regelung

Die neuen Regelungen können im Vergleich mit der vorherigen Praxis zu bedeutenden

Kostensteigerungen und Ausschreibungsproblemen führen, vor allem, wenn wie regelmässig der Fall die Dichtigkeitsklasse 1 (vollständig trocken) gefordert wird. Beispielsweise können die empfohlenen Betone nicht immer eindeutig einem NPK-Typ zugeordnet werden. Somit muss der Planer den Beton wieder nach Eigenschaften oder Zusammensetzung ausschreiben. Für die Dichtigkeitsklasse 1 übersteigen die Anforderungen an die Mindestbewehrung trotz tieferer Betonfestigkeiten die bisher durch die SIA 262 definierten Mindestgehalte.

 

 

Wahl des geeigneten Betons

Die SIA 272 empfiehlt für Betone nach Eigenschaften solche mit niedrigen Druckfestigkeiten und hohen Wasser-Eindringwiderständen und nennt als Beispiel Betone der „Expositionsklasse XC2 nach Norm SIA 262, aber mit einer Wasser-Eindringtiefe ew ≤ 50mm“. Diese Angabe entspricht einem Beton der Klasse NPK A und widerspricht anderen Empfehlungen, sowie der bewährten Praxis, für wd-Konstruktionen einen Beton des Typs NPK C zu wählen. Für Betone nach Zusammensetzung empfiehlt die Kommission einen W/Z-Wert von ≤ 0,55, geringe Zementgehalte von ≥ 280kg/m³ und Zemente mit geringer Wärmeentwicklung. Diese Angaben entsprechen keinem gängigen bzw. vordefinierten NPK-Typ, ermöglichen aber eine wirtschaftliche Betonrezeptur.

ZEMENTOL plant auf Basis eines weichen, geprüften wd-Betons nach Zusammensetzung mit einer Festigkeitsklasse C25/30 und einem W/Z-Wert von ≤ 0,55.

 

 

Wahl der notwendigen rissesichernden Bewehrung

Zur Berechnung der empfohlenen Mindestbewehrung schreibt die aktuelle Norm einen maximalen Stahlabstand von 150mm vor. Die Einflussgrössen auf die Berechnung der Mindestbewehrung sind nunmehr die Dichtigkeitsklasse, der Stabdurchmesser des Bewehrungsstahls, die Betonsorte und die Bauteilabmessung.

 

Seit 1952 und damit in langjähriger Praxis hat sich bestätigt, dass ab einem Mindestbewehrungsgehalt von 1,4‰ des Betonquerschnitts (kreuzweise je Bewehrungslage) das System ZEMENTOL® die Wasserdichtigkeit von Betonkonstruktionen zuverlässig erreicht. Die Reduzierung der Mindestbewehrung wird durch die Planung, Fugeneinteilung und konsequente Nachbehandlung erreicht.

 

Nur durch umfassende Planung und Überwachung der Abdichtungsarbeiten sind die Vorteile der Weissen Wanne gegenüber anderen Abdichtungsmethoden sicher zu realisieren, ohne Haftungsrisiken für die beteiligten Planer hervorzurufen.

 

 

Bei der Planung der Weissen Wanne sind insbesondere folgende Elemente zu berücksichtigen:

  • Baustoff Beton
    zu wählen ist ein Beton mit hohem Wassereindringwiderstand.
  • Zwangsspannungen im Beton
    Aussagen zur Rissentwicklung und Bewehrungsführung. Die Optimierung der Betonkonstruktion zur Vermeidung von Zwängen unter anderem auch durch die Planung von
  • Fugen und Sollrissstellen
    inkl. entsprechender Fugenabdichtung.
  • Durchdrinungsabdichtung
    Wahl geeigneter Produkte zur Abdichtung von Durchdringungen wie Leitungen, Kanalisation, Schalungsbindeelemente, etc.
  • Bauausführung
    Kontrolle der Betonierarbeiten, Nachbehandlung, Einhalten der Ausschalfristen
  • Sanierbarkeit
    Die Bereiche der Weissen Wanne sollten für eine spätere Sanierungsmassnahme zugänglich bleiben. Die muss bei der Planung berücksichtigt werden.
  • Bauphysik
    Insbesondere Wärmedämmung zur Vermeidung von Kondensat, Wärmebrücken, etc.

 

 

System ZEMENTOL® SIA 272
Projektkonzeption und Anforderungen  
Objektbezogene Planung – dadurch projektbezogene Optimierungsmöglichkeiten und Detailplanung. Insbesondere Optimierung des Bewehrungsgehaltes und bei der Betonwahl. Allgemeines Regelwerk – dadurch keine Betrachtung des Einzelfalls. Damit das Regelwerk für alle Projekte Gültigkeit hat, müssen Sicherheitsbeiwerte bei Stahl und Betonwahl angesetzt werden.
Detaillierter Ausführungsplan wird in Abstimmung mit anderen Fachplanern durch erfahrene ZEMENTOL-Ingenieure erstellt. Die Ausführungsplanung ist entweder von Bauingenieur oder Architekt zu verantworten.
Mindestbauteilstärke 25 cm. Mindestbauteilstärke 25 cm.
Standardbeton: C 25/30, NPK B, wd (W/Z =>0,55) Standardbeton: NPKC, alternativ C25/30 mit W/Z =>0,55.
Ausführung  
Überwachung und Dokumentation der ausgeführten abdichtungstechnischen Arbeiten durch ZEMENTOL-Techniker Keine Kontrolle des ausführenden Bauunternehmens. Dokumentation vorwiegend durch das ausführende Unternehmen selbst.
Lieferung von Baustoffen zur Abdichtung von Fugen, Durchdringungen, etc. Ganzheitliches System, Verantwortung und Gewährleistung von ZEMENTOL für die Gesamtheit der abdichtungsrelevanten Arbeiten. Lieferungvon Baustoffen durch unterschiedliche Unternehmen. Zum Teil keine Nachvollziehbarkeit der Verantwortung für die Abdichtung von Leitungsdurchdringungen.
Verarbeitung der Baustoffe durch ZEMENTOL-Techniker und Übernahme der Haftung für die Wasserdichtigkeit. Verarbeitung der Baustoffe durch den jeweiligen Lieferanten oder das Bauunternehmen. Übernahme der Haftung für die Sach- und Fachgerechte Ausführung ohne Anspruch auf Dichtigkeit.
Haftung  
Haftung für Wassereintritt trägt ZEMENTOL. Wasserführende Risse werden durch ZEMENTOL wieder instandgesetzt. Trotz Einhaltung der Norm können Fehlstellen auftreten, die über die gewählte Rissbreite hinausgehen. Das Risiko trägt der Bauherr, eventuell auch andere Projektbeteiligte.
Übernahme der Gewährleistung für 10 Jahre. Gewährleistung um Rahmen der gesetzlichen Vorgaben.
Versicherungsschutz über bis zu 10 Mio CHF Keinerlei Versicherungsschutz
ZEMENTOL als „Regel der Technik“. Mit der Anwendung des Systems und seiner Ausführungsvorschriften seit 1952 und ca. 1.000 abgedichteten Objekten pro Jahr wurde der notwendige Praxiserfolg langfristig nachgewiesen. Norm als „Stand der Technik“.Im Schadensfall ist es üblich, dass die Nichteinhaltung von Normen von den Gerichten als Nichteinhaltung des geforderten “Standes der Technik” qualifiziert wird. Die verantwortlichen Baubeteiligten können daher im Fall der Nichteinhaltung von Normen, auch wenn diese nicht vertraglich fixiert waren, mit Regressansprüchen konfrontiert werden.